Johannes Lichdi unterstützt gemeinsam mit anderen Förderern den ökologischen Freiwilligendienst einer jungen Leipzigerin, die über die Stiftung Naturschutz Berlin zur Zeit ein Jahr in Polen verbringt. Die Stiftung sendet seit vielen Jahren Freiwillige im ökologischen Dienst nach Mittel- und Osteuropa, um den Jugendaustausch zu fördern und einen Beitrag zum Umwelt- und Naturschutz in Mittel- und Osteuropa zu leisten. Am 20. Mai sandte uns Josephine Schneider Grüße aus Polen:
"Sehr geehrte Damen und Herren,
seit reichlich 7 Monaten bin ich nun schon in Polen und es ist laengst an der Zeit, all jenen, die mich so bereitwillig unterstuetzt haben, nochmal herzlichst zu danken und Ihnen aber v.a. einen Einblick in meine Aktivitaeten als Freiwillige zu geben.
Zwar habe ich momentan das Gefuehl habe, dass die Zeit wie im Flug vergeht, aber dennoch ich moechte kurz an den langen Winter zurueckdenken. Auch wenn mir klar war, dass zu dieser Zeit hier nicht viel Arbeit anfallen wuerde (die Tiere blieben im Stall), hatte ich die Situation doch unterschaetzt. Eben der Umstand, 3-4 Monate kaum eine Aufgabe zu haben, entpuppte sich nicht selten selbst als schwer zu loesende Aufgabe. Dennoch moechte ich diese Erfahrung nicht missen. Auch darf nicht vergessen werden, dass ich waehrend des Winters 2mal woechentlich einen Sprachkurs besuchte, durch den ich mich langsam (sehr langsam!) an die Eigenheiten der polnischen Sprache herantastete.
Sehr wichtig war die Winterzeit auch in Hinsicht auf ein eigenes Projekt, welches ich zusammen mit der anderen Freiwilligen vor Ort und einer zwweiten aus der Naehe von Poznan organisiere. Wir haben es "Gruene Woche Grenzenloser Kreativitaet" genannt, weil es eine deutsch-polnische Begegnung (speziell fuer die Menschen aus dieser Region) sein wird, deren zwei Schwerpunkte Natur bzw. Naturschutz und Kreativitaet sind. Gemeinsam mit der Landeslehrstaette Lebus haben wir ein Programm vorbereitet, bei dem die Teilnehmer sowohl verschiedene Orte der Natur/des Naturschutzes (Nationalpark, Umweltbildungsstationen,...) beiderseits der Oder kennenlernen, als auch selbst mit Naturmaterialien kreativ werden koennen. Gleichzeitig wollen wir den Friedenswald in Owczary einbinden, was allem noch einen gewissen symbolischen Gehalt verleiht. Wie wir feststellen konnten -und immer wieder feststellen- kostet die Vorbereitung eines solchen Projektes sehr viel Zeit und Energie, v.a. weil bekanntlich nicht alles so wird, wie man es sich am Anfang ausdenkt. Derzeit bemuehen wir uns um Teilnehmer, damit dann in 1,5 Monaten tatsaechlich alles wie geplant durchgefuehrt werden kann. Ich muss sagen, dass mir besonders durch dieses Projekt der Freiwilligendienst hier aeusserst sinnvoll erscheint. Schliesslich haben wir Kontakte mit Menschen, Institutionen und Vereinen in Deutschland, die sich ebenfalls mit Natur und deren Schutz befassen, hergestellt und aufgefrischt. Auch wenn die Kontakte in Polen eher rar sind, habe ich wirklich das Gefuehl, etwas fuer die deutsch-polnische Zusammenarbeit auf diesem Sektor zu tun.
Was die Arbeiten hier in der Gelaendestation Owczary angeht, so hat sich die Situation mit dem Fruehlingseinbruch natuerlich schlagartig geaendert. Die Schafe muessen jetzt wieder taeglich 6 Stunden gehuetet werden und sind mittlerweile auch schon geschoren. Neben den Tieren kuemmere ich mich noch um deutsche Besucher (Vortraege, Fuehrungen), die das Museum und die Wiesen ansehen wollen. Auch gab es viel im sogenannten Schulgarten zu tun, der komplett mit neuen Obstbaeumen bepflanzt wurde. Selbige hatten wir waehrend der langen Wintertage veredelt, da es sich um alte Sorten handelt.
All diese Taetigkeiten bereiten mir also eine sehr abwechslungsreicheZeit in Polen und erfuellen mich mit Elan und Freude.
Dazu traegt selbstverstaendlich auch die sich fast taeglich veraendernde Natur bei, in der es immer wieder etwas Neues zu entdecken gibt. Mit der Familie hier verstehe ich mich jetzt auch etwas besser (am Anfang gab es wirklich Schwierigkeiten).
Nun hoffe ich, die verbleibenden Monate ebenso aktiv und sinnvoll wie die vorangegangenen verbringen zu koennen, viel von dem Vorgenommenen zu schaffen und gleichzeitig die Zeit zu geniessen. In der Hoffung, dass auch bei Ihnen der Optimismus und das Positive ueberwiegt, gruesse ich herzlich aus Owczary!
Ihre Josephine Schneider"