Höhere Strompreise sind nicht gerechtfertigt

Wenn Energieunternehmen ihren Kunden zum neuen Jahr Strompreiserhöhungen ankündigen und diese vor allem den erneuerbaren Energien zuschreiben, ist das nicht gerechtfertigt.
Die Umlage für die erneuerbaren Energien (EEG-Umlage) wird inklusive Mehrwertsteuer nächstes Jahr zwar um 1,75 Cent je Kilowattstunde steigen. Aber die Beschaffungskosten für Strom sind sehr viel stärker gesunken. Mangelnde Transparenz und fehlender Wettbewerb sind die Hauptursachen für den Strompreisanstieg und nicht das Erneuerbare-Energien-Gesetz.
Die Wahrheit ist: Durch die steigende Menge an Strom aus erneuerbaren Energien sinken die Strompreise an der Börse. Im Jahr 2010 haben sie zwischen 5 und 7 Cent je Kilowattstunde (kWh) betragen, 2008 waren es in der Spitze noch 13 Cent/kwh.
Auch eine aktuelle Studie der GRÜNEN-Bundestagsfraktion benennt die Gründe für den Strompreisanstieg. In dem Gutachten des Energiewirtschaftlers Gunnar Harms heißt es: <<Die seit 2008 stark gesunkenen Strompreise auf der Großhandelsebene sowie auch gesunkene Brennstoffkosten sind nicht an die Haushaltskunden weitergegeben worden. Seit 2008 bis heute sind die Preise an der Strombörse um 30-40 Prozent gesunken.>>
Die erneuerbaren Energien sorgen dafür, dass teuere konventionelle Kraftwerke nur noch selten hochgefahren werden müssen. Das allein senkte die Strombeschaffungskosten im Jahr 2008 um über drei Milliarden Euro. Im Jahresmittel kostete 2009 die Grundlast an der Strombörse in Deutschland sogar 40 Prozent weniger als 2008.
Durch die nicht nachvollziehbaren Preiserhöhungen zahlen die Verbraucher in 2011 deutschlandweit rund zwei Milliarden Euro zuviel an die Stromversorger, wenn diese flächendeckend umgesetzt werden. Seit 2006 haben sich die Margen der Stromversorger bei den Haushaltskunden im gesamtdeutschen Durchschnitt annähernd verdreifacht. Die Margen sind um 1,1 Cent pro Kilowattstunde auf ca. 1,5 Cent/kWh gestiegen.
Pro Durchschnittshaushalt ergeben sich daraus rund 40 Euro im Jahr. Umgerechnet sind dadurch rund 1,5 Mrd. Euro zusätzlich als Gewinn bei den Versorgern hängen geblieben. Die bislang berichteten Geschäftsergebnisse für 2010 bestätigen dieses Ergebnis eindrucksvoll. 2010 ist ein Rekordjahr - insbesondere für die vier großen Stromversorger. Ihr gesamter Jahresgewinn dürfte bei rund 30 Milliarden Euro liegen. Nie zuvor haben sie einen höheren Gewinn eingefahren.
Was Strom wirklich kostet
Studie von Greenpeace Energy. Kurzfassung und Langfassung
Lichdis Präsentation in Chemnitz zum Thema "Höhere Strompreise - sind die erneuerbaren Energien schuld?" PDF zum Download

Argumentationshilfe Strompreise zum Download
Pressemitteilungen zum Thema:
PM 2011-1: Strompreiserhöhungen - GRÜNE: DREWAG-Chef verschweigt die tatsächlichen Gründe für Strompreisanstieg
PM 2010-093: BGH-Urteil zu Gaspreisen - sächsische Stadtwerke müssen jetzt endlich ihre hohen Preise transparent machen
PM 2009-189: Gaspreisstudie - Gaspreise in Sachsen am zweithöchsten
Presseecho zum Thema: (Auswahl)

Grüne kritisieren Drewag - Unternehmen führe Kunden bei der Strompreiserhöhung hinter's Licht (Dresdener Neueste Nachrichten vom 4.1.2011)
Grüne halten Gaspreise in Sachsen für zu hoch (DAPD vom 16.1.2011)
