Prozess gegen Mandy Kopp: Die Protokolle ihrer Befragung 2009 im U-Ausschuss "Sachsensumpf"
Die Geschichte von Mandy Kopp und anderen Jugendlichen, die im Leipziger Bordell "Jasmin" misshandelt und zur Prostitution gezwungen worden waren, geht durch die Presse, seit am 6. März 2012 gegen sie der Prozess wegen Verleumdung eröffnet wurde. Johannes Lichdi war beim Prozessauftakt dabei. Er hatte Mandy Kopp - im Protokoll unter dem Pseudonym Sara - am 28. April 2009 im Untersuchungsausschuss "Sachsensumpf" befragt. Als Fazit protokollierte er zu ihrem Motiv der Zeugenaussage:
"Die Zeugin Sarah machte auf die Unterzeichner einen glaubwürdigen Eindruck, so dass ihre Aussagen glaubhaft erscheinen. Ihr geht es ersichtlich nicht um die Belastung Dritter, sondern um die öffentliche Wahrnehmung und Anerkennung ihres Leides und das der anderen Opfer, eine Wahrnehmung, die sie bisher in ihren polizeilichen und staatsanwaltschaftlichen Vernehmungen nicht erfahren hatte. Es ist für die Unterzeichner dieses Minderheitenberichts offensichtlich, dass ihr die Schilderung ihrer Erlebnisse vor dem Untersuchungsausschuss sehr schwer fiel, sie sich aber bewusst für diesen Weg entschieden hatte, um endlich ihre Sicht an die Offentlichkeit zu tragen. Dafür gebührt ihr der Respekt und die Hochachtung des Sächsischen Landtags."
Auch die Befragung der Polizisten über die Identifizierung von Richtern als mögliche Freier im Bordell findet sich in den Protokollen.
Die Seiten 59-78 verteilen sich auf vier Dokumente: Teil 1 (u. a. Zwang zur Prostitution) Teil 2 (u. a. Fluchtversuche, Vergewaltigung, Besuche von Justizangehörigen, Deal mit Bordellbetreiber) Teil 3 (u. a. Glaubwürdigkeitsfragen) Teil 4 (u. a. Befragung des Polizisten)
Als Landtagsdrucksache sind die Dokumente öffentlich, aber noch nicht als Direktverlinkung zu finden. Suchweg: Unter edas.landtag.sachsen.de in der Suchmaske 4. Wahlperiode auswählen und Drucksachennummer 15777 eingeben. Unter "Vorgang" Bericht anzeigen lassen - Seite mit allen Download-Links erscheint. Band 3 ist der von GRÜNEN und LINKEN verantwortete Minderheitenbericht.
Der offizielle Name des Ausschusses
Einsetzung eines Untersuchungsausschusses gemäß Artikel 54 Abs. 1 der Verfassung des Freistaates Sachsen zum Thema:
"Verantwortung von Mitgliedern der Staatsregierung und von ihnen beauftragter leitender Behördenvertreter für etwaige schwerwiegende Mängel bei der Aufdeckung und Verfolgung krimineller und korruptiver Netzwerke unter Beteiligung von Vertretern aus Politik, Wirtschaft, Justiz, Polizei und sonstigen Landes- und kommunalen Behörden in Sachsen, für das Versagen rechtsstaatlicher Informations-, Kontroll- und Vorbeugungsmechanismen und für die unzureichende Aufklärung sowie gezielte Desinformation gegenüber der Presse und der Öffentlichkeit im Umfeld der Debatten um den so genannten Sachsen-Sumpf (Kriminelle und korruptive Netzwerke in Sachsen)"
Kleine Anfragen
Stand der Straf- und Disziplinarverfahren im Zusammenhang mit der Aufklärung der sog. Aktenaffäre (Sachsensumpf) - Aktualisierung der Frage 5/6476
KlAnfr Johannes Lichdi GRÜNE 01.08.2011 Drs 5/6479
Frist SReg: 30.08.2011
Einsatz von Mitteln der Telekommunikationsüberwachung zur Aufklärung von Straftaten im Zusammenhang mit der sog. Aktenaffäre des Landesamtes für Verfassungsschutz (Sachsensumpf)
KlAnfr Johannes Lichdi GRÜNE 01.08.2011 Drs 5/6476
Frist SReg: 30.08.2011
Parlamentarische Reden
Ein Parlament, das seine Kontrollaufgabe ernst nimmt, darf sich nicht auf Ermittlungen der Staatsregierung oder der Staatsanwaltschaft verlassen, sondern muss sich ein eigenes Bild machen:
Rede vom 26.06.2009
Einsetzung des Untersuchungsausschusses "Sachsensumpf II - Korruptive Netzwerke Sachsen...
Rede vom 20. 5.2010
Medienecho:
Sachsensumpf - Die Opfer vor Gericht Mephisto 97,6
Ex-Verfassungsschutzpräsident verteidigt ehemalige Referatsleiterin Freie Presse vom 1.2.2012
Sachsensumpf: Wohnungsgesellschaft räumt Versäumnisse ein (dapd lsc auf adhoc-news.de vom 4.5.2011)
Sachsensumpf-Aktenaffäre: Warum ermittelt die Generalstaatsanwaltschaft gegen Zeugen des Untersuchungsausschusses? L-iz.de 31.07.2010
ARD-Tagesthemen 5.8.2010: Johannes Lichdi zu den Journalistenprozessen
Pressemitteilungen zum Thema:
PM 2012-34: 2. UA Zeugenvernehmung Rainer Stock: 'Teebeutel-These' der Staatsregierung ist widerlegt
PM 2010-227: "Sachsensumpf-Aktenaffäre": Neue Merkwürdigkeiten? Generalstaatsanwaltschaft ermittelt gegen Zeugen des Untersuchungsausschusses
PM 2010-198: 2. Untersuchungsausschuss zum "SachsenSumpf" - GRÜNE: Vorwürfe endlich restlos aufklären
PM 2010-116: 100 Ermittlungsverfahren in "Sachsensumpf"-Aktenaffäre, davon 21 gegen Journalisten
